Bebauungsplan Gewerbegebiet Kiefersfelden

digitales Verfahren auf der Plattform DiPlanung
 

 

Juli 2025 bis Februar 2026

Die Gemeinde Kiefersfelden im Landkreis Rosenheim möchte die Rückkehr eines ehemals ortsansässigen Unternehmens nach Kiefersfelden unterstützen. Auf dem rund 7.000 Quadratmeter großen Grundstück sollen ein Bürotrakt und eine Produktionshalle entstehen, in der unter anderem Komponenten für Solarenergieanlagen gefertigt werden. Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) erarbeitete im Auftrag der Gemeinde den vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Für die Beteiligung und die Veröffentlichung nutzte die Gemeinde bereits die bayernweite Plattform DiPlanung. Ein Umweltbericht stellt sicher, dass eine Ausgleichsfläche und der Erhalt der Bäume im Bebauungsplan festgelegt sind.

Gewerbegebiet „Kaiserreich“ wächst

Das Plangebiet liegt im nordwestlichen Teil des Gewerbegebiets „Kaiserreich“. Für dieses Gebiet bestand bislang kein Bebauungsplan; planungsrechtlich ist die Fläche bisher dem Außenbereich zuzuordnen. Im Flächennutzungsplan ist sie bereits als gewerbliche Baufläche dargestellt. Die Fläche grenzt an das bestehende Gewerbegebiet „Kaiserreich – südlicher Teil“ mit entsprechendem Bebauungsplan an.

Mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan kann die Gemeinde die Entwicklung des 2018 ausgewiesenen Gewerbestandorts nun konsequent fortführen. Damals fielen mit der Schließung des örtlichen Autobahnzollamts sowie eines ansässigen Marmor- und Zementwerks fast 1.000 Arbeitsplätze weg. Durch das Gewerbegebiet „Kaiserreich“ stärkt Kiefersfelden seine wirtschaftliche Basis und schafft Arbeitsplätze vor Ort.

 

Digital fit

Bei der Digitalisierung des Planungsverfahrens nahm Kiefersfelden eine Vorreiterrolle ein. Die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange sowie der Öffentlichkeit erfolgte über DiPlan Beteiligung. Der PV stellte die Abwägungsvorschläge digital bereit und pflegte diese direkt auf die Plattform DiPlanung ein. Schließlich fertigten die Planerinnen und Planer den Bebauungsplan im vollvektoriellen Datenstandard XPlanung an. Dafür nutzte die Gemeinde das Förderprogramm „XPlanBonus“. Wie die Abbildungen rechts veranschaulichen, kann das Erscheinungsbild von Bauleitplänen abhängig von der verwendeten Software und den jeweiligen Benutzereinstellungen variieren. Durch XPlanung werden sie jedoch im öffentlichen DiPlan-Portal einheitlich dargestellt.

Aus Sicht von Kathrin Undeutsch und Andreas Berchtold, den beiden am Projekt beteiligten Planern, schafft DiPlanung einen großen Mehrwert: 

  • „Mit DiPlanung liegen die Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit sowie von Trägern öffentlicher Belange unmittelbar in der Form vor, in der wir sie weiterbearbeiten können. Die Abwägung erfolgt direkt im Portal, und die fertige Abwägungstabelle lässt sich anschließend exportieren. Der bisher notwendige Zwischenschritt, Stellungnahmen in ein Word-Dokument zu übertragen, entfällt damit vollständig. Ein weiterer Vorteil: Mehrere Berechtigte können gleichzeitig an der Abwägung mitwirken und arbeiten dabei jederzeit auf dem aktuellen Stand.“

Gehölze, Begrünung, Ausgleichsfläche

Um die Umweltauswirkungen des Gewerbegebiets zu verringern, setzt der Bebauungsplan auf Grundlage des Umweltberichts folgende Maßnahmen fest:

  • Bäume, Sträucher und Hecken neu pflanzen
  • Begrünung einer Fassade
  • Stellplätze und Zufahrten mit versickerungsfähigen Belägen gestalten

Alle bestehenden Bäume bleiben erhalten. Weiterhin dient eine Fläche in einer Nachbargemeinde als Ausgleichsfläche. Hier wird ein ehemals intensiv landwirtschaftlich genutzter Acker durch entsprechende Pflege zu artenreichem Grünland.

Schnelles Regelverfahren

Eine Besonderheit des Projekts war die außergewöhnlich kurze Verfahrensdauer. Zwischen dem Projektstart im Juli 2025 und dem Satzungsbeschluss im Februar 2026 lagen lediglich acht Monate. Das Verfahren wurde einschließlich Umweltbericht, naturschutzfachlicher Eingriffsregelung und Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt. Möglich wurde die zügige Bearbeitung durch umfangreiche Vorarbeiten der Gemeinde. Schon im Zuge der Flächennutzungsplanänderung waren für das gesamte Gewerbegebiet die wesentlichen Fachgutachten erstellt worden, wie Bodengutachten, Verkehrsuntersuchungen, Schallgutachten, artenschutzrechtliche Kartierungen und hydrologische Stellungnahmen. Auch die digitale Beteiligung auf der bayernweiten Plattform DiPlanung hat wesentlich zur Beschleunigung beigetragen.

Ihr Kontakt

Kathrin Undeutsch
M.Sc. Umweltplanung und Ingenieurökologie
Andreas Berchtold
M.Eng. Stadtplanung