75 Jahre Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) – das feierte der Verband gemeinsam mit seinen Mitgliedern im Rahmen der 88. Verbandsversammlung. Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung Tutzing, hielt einen Festvortrag über die Bedeutung der kommunalen Ebene in der Politik. Zudem begrüßte der PV fünf neue Mitgliedsgemeinden aus dem Landkreis Rosenheim sowie drei aus dem Landkreis Traunstein. Die Veranstaltung fand am 20. November im Rathaus Gilching statt.
Knapp 200 ab 2026
1950 mit 43 Mitgliedern gestartet, wird der PV 2026 insgesamt 196 Mitglieder umfassen. Darunter 187 Städte, Märkte und Gemeinden, die acht Landkreise der Region München sowie die Landeshauptstadt München. Mit Kienberg, Obing und Pittenhart aus der Verwaltungsgemeinschaft Obing treten zum neuen Jahr erstmals Gemeinden aus dem Landkreis Traunstein bei. Aus dem Landkreis Rosenheim kommen die Gemeinden Brannenburg, Eiselfing, Pfaffing und Söchtenau sowie die Stadt Bad Aibling dazu. Verbandsvorsitzender Landrat Christoph Göbel, Landkreis München, hieß die acht neuen Mitglieder herzlich willkommen. Neben den Beitritten wurde der Haushalt 2026 beschlossen. Sechs Gemeinden wurden auf der Versammlung von den Bürgermeistern vorgestellt.
Manfred Walter, Erster Bürgermeister der Gemeinde Gilching, begrüßte die Mitglieder im Sitzungssaal des Rathauses.
Wachsen, weiterentwickeln, nach vorne blicken
„Der Wirtschaftsraum München und die Region haben sich seit Gründung unseres Verbandes 1950 in sehr raschem Tempo entwickelt“, begann PV-Geschäftsführer Marc Wißmann seinen Bericht. Sie habe sich „aus Kriegstrümmern zur Boomregion“ entwickelt. Das Wachstum zeige sich beispielsweise anhand der Bevölkerungszahl, die sich mehr als verdoppelte, während sich die Arbeitsplätze sogar verdreifachten. Der PV begleitete diese Entwicklung an der Seite seiner Mitgliedskommunen. Dabei vereinte der PV von Anfang an örtliche und regionale Planungsaufgaben im Wirtschaftsraum München. „Diese Verbindung ist eine Besonderheit, die heute noch Bestand hat – trotz Umstrukturierung“, erläuterte Wißmann.
- PV-Geschäftsführer Marc Wißmann freut sich über die neuen Beitritte: „Dies zeigt nicht nur, dass unsere Leistungen nachgefragt werden. Es zeigt zudem, dass Planung, räumliche Entwicklung und Kommunale Zusammenarbeit im Wirtschaftsraum München wichtige Themen sind.“
Als Reaktion auf das Wachstum des Verbands in den letzten Jahren und den sich ändernden Rahmenbedingungen hat der PV im „Prozess 2050“ ein Leitbild und begleitende Leitsätze erstellt. Ziel ist es, das Leistungsspektrum zukunftsfähig zu gestalten und die Zusammenarbeit im Wirtschaftsraum stetig weiterzuentwickeln.
Gemeinden mit Zukunftsvisionen

Landkreis Traunstein: Kienberg, Obing und Pittenhart
„Obing liegt im nördlichen Chiemgau und hat etwa 4.500 Einwohner“, stellte Bürgermeister Josef Huber seine Gemeinde vor. „Wir freuen uns auf die Unterstützung des PV beim Umgang mit dem Siedlungsdruck“. Huber ist zugleich Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Obing, der auch Kienberg und Pittenhart angehören. Hans Schmidhuber, Erster Bürgermeister der Gemeinde Kienberg, möchte durch die Mitgliedschaft das Bauamt stärken. „Ein anderer Blickwinkel wird für uns eine große Bereicherung sein“, ist er überzeugt.
Landkreis Rosenheim: Brannenburg, Eiselfing, Pfaffing, Söchtenau & Stadt Bad Aibling
Die Gemeinde Brannenburg hatte einen konkreten Anlass für ihren Beitritt zum PV: „Wir wollen unseren Flächennutzungsplan neu aufstellen. Dafür hatten wir bereits einen tollen Einstieg mit einem ersten Workshop“, erzählte der Erste Bürgermeister Matthias Jokisch. Die Stadt Bad Aibling und die Gemeinde Söchtenau setzen auf die Expertise des Verbands bei der Stadtplanung. „Was wir brauchen ist Unterstützung bei der Frage, was städtebaulich gewünscht ist. Damit wir bei Bauvorhaben eine gemeinsame Linie fahren“, verdeutlichte Stephan Schlier, Erster Bürgermeister der Stadt Bad Aibling. Amtskollege Bernhard Summerer aus Söchtenau zeigte sich beeindruckt von der Ortskenntnis einer PV-Planerin, die bereits im Gemeinderat zu Gast war. „Söchtenau habe bereits zwei Aufträge an den PV vergeben“, so Summerer. Georg Reinthaler, Erster Bürgermeister der Gemeinde Eiselfing, hat ebenfalls ein konkretes Projekt im Blick: „Wir haben eine schöne, zentrale Fläche, aus der wir ein Urbanes Gebiet im Dorf machen wollen“, kündigte er an.
Festvortrag von Prof. Dr. Ursula Münch
Zur Bedeutung der kommunalen Ebene für die Wiederherstellung von Vertrauen und Zuversicht in die Politik
In ihrem Festvortrag thematisierte Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung Tutzing, den zunehmenden Vertrauensverlust in die Politik. Anhand von Umfrage- und Studienergebnissen zeigte sie auf, inwiefern das Schwinden des Lokaljournalismus mit Demokratieverlust einhergeht. „Wer nimmt zur Kenntnis, was in der eigenen Gemeinde passiert? Und was macht das mit lokaler Politik und lokaler Wirtschaft?“ Der Kontakt und damit die Vertrautheit zu Parteien gehöre zur Demokratie dazu – auch auf kommunaler Ebene. „Parteien sind das Öl im Getriebe des Föderalismus“, unterstrich Münch.
Vertrauen schaffen
Gleichzeitig wisse sie um die wachsenden Aufgaben der Kommunen, während deren Gestaltungsspielraum nicht mitwachse. Ebenso sei ihr bewusst, dass die Bürgerschaft zunehmend anspruchsvoller werde. Um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Politik aufzubauen, sei der persönliche Kontakt zentral. Darüber hinaus rät sie zu Transparenz: „Das Erreichte muss sichtbar werden“, so Münch. Zudem schafften Gemeinschaftsaktionen und die Beteiligung der Menschen an Entscheidungsprozessen Vertrauen.
PV-Jubiläumsfeier
Sektempfang, Buffet, Ausstellung & Netzwerken
Im Anschluss an den Festvortrag waren alle Gäste eingeladen, sich am Buffet zu stärken und sich in lockerer Atmosphäre auszutauschen. Die PV-Band sorgte für die musikalische Untermalung der Feier, während im Foyer des Gilchinger Rathauses eine Ausstellung lockte: Aufsteller zu unterschiedlichen Schwerpunkten lieferten Details zur 75-jährigen Verbandsgeschichte und zur Entwicklung der Region. Und Interessierte konnten so einiges über innovative PV-Projekte oder zukünftige Herausforderungen für den Wirtschaftsraum München erfahren.




