Vor rund 70 Jahren entstand mit dem „Regionalplan München“ eines der frühesten Beispiele moderner Regionalplanung im Wirtschaftsraum München. Anlässlich des 76. Geburtstags des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) werfen wir einen Blick zurück. Wie entstand der erste Regionalplan? Und welche Ziele beinhaltete er?
Wie sah der erste Regionalplan aus?
Der auch als „Großplan München“ bezeichnete Regionalplan von 1956 ging auf den Auftrag des Planungsverbands zurück, „eine rasche […] Gesamt- und Einzelplanung für die Bauentwicklung des äußeren Wirtschaftsraum Münchens“ zu gewährleisten (gemäß PV-Satzung von 1953). Er bündelte eigene planerische Überlegungen mit Fachgutachten unter anderem zur Verkehrsinfrastruktur, zur Wasserwirtschaft und zur Landschaftsplanung. Die heute nur noch teilweise erhaltenen Unterlagen lassen sich durch Veröffentlichungen des damaligen PV-Geschäftsführers Dr. Otto Schütz sowie durch Archivmaterial gut rekonstruieren.
Stadt, Umland und Verkehr im Blick
Der Plan gliederte die Region in drei Bereiche: die Stadt München, eine umgebende „Stadtlandschaft“ und das weitere Umland. Um den Verkehr zu minimieren, sollten Wohngebiete, Arbeitsstätten und Erholungsräume möglichst nah beieinanderliegen. Für die Kernstadt sah der Plan eine stärkere Gliederung und Entlastung vor, gleichzeitig wurden neue Versorgungs- und Verkehrsschwerpunkte unter anderem in Pasing und am Ostbahnhof vorgeschlagen. Um den Hauptbahnhof zu entlasten sollte die Verbindung zwischen beiden unterirdisch verlaufen. Auch im Altstadtbereich sollten Tramlinien als „Unterpflasterbahn“ in den Untergrund verlegt werden. Bereits damals wurden ein S-Bahn-System sowie Ring- und Tangentialstraßen zur Bündelung des Verkehrs mitgedacht. Als „geplante Straßen“ kann man große Teile des heutigen Mittleren Rings, die Autobahn 94 oder auch die Autobahn 99 West erkennen.
Ausgewogene Siedlungsentwicklung und Bodenfrage
Die Analyse des Umlands zeigte zahlreiche schlecht versorgte sogenannte „Splittersiedlungen“. Die Regionalplanung empfahl daher einen „Kranz ausgewogener Wohngemeinden“ mit klaren Grenzen zwischen Siedlungsflächen und Freiräumen. Als künftige Entwicklungsschwerpunkte wurden unter anderem Germering, Unterschleißheim oder Gilching benannt. Größere neue Industriestandorte wurden südlich von Garching sowie in Unterföhring und Ismaning eingeplant. Bereits früh nahm der Verband die Bodenfrage als entscheidenden Faktor für die Siedlungsentwicklung in den Blick: Bodenspekulation und Flächenknappheit galten bereits damals als Hemmnisse für dringend benötigten Wohnungsbau. Schütz schlug daher die Gründung gemeinnütziger Baulandgesellschaften vor.
Grünräume und Wasser als zentrale Themen
Ein weiterer Schwerpunkt legten die damaligen Regionalplanerinnen und -Planer auf die Grünplanung. Mit dem Wiederaufbau nahm die Anzahl der Kleingärten ab. Zusammenhängende Landschaftsräume, Wälder, Fluss- und Seenlandschaften sowie Gebiete mit Gebirgsausblick sollten dauerhaft vor Bebauung geschützt werden. Auch der Umgang mit Wasser spielte eine wichtige Rolle: Während die Trinkwasserversorgung im Aufbau war, stellte die Abwasserentsorgung vielerorts ein Problem dar. In vielen Siedlungen wurde das Abwasser einfach in den Schotteruntergrund versickert, was mancherorts zu einer Verunreinigung des Grundwassers führte. Der Regionalplan untersuchte diese Defizite systematisch und leitete daraus klare planerische Empfehlungen ab.
Langfristige Wirkung bis heute
Auch wenn der Regionalplan rechtlich unverbindlich war, prägten viele seiner Ideen die spätere Entwicklung der Region. Viele Planungen, die im Regionalplan angesprochen werden, sind heute verwirklicht:
- S-Bahn-Tunnel (der allerdings erst kurz vor dem Hauptbahnhof und nicht schon in Pasing beginnt)
- U-Bahn
- Straßenringe in und um München,
- Ver- und Entsorgung der Siedlungen mit Trink- und Abwasser
- Errichtung großer Wohnsiedlungen in Vororten wie Unterschleißheim (Lohhof) und Germering
Andererseits gibt es auch Räume, wo zwar eine Entwicklung stattgefunden hat, aber nicht im damals geplanten Ausmaß: Etwa in Oberhaching oder im Falle der schraffierten Industriefläche südlich von Garching (siehe Ausschnitt), von der nur der äußerste Norden (Hochbrück) realisiert wurde.
Der erste rechtswirksame Regionalplan München wurde schließlich 1986 beschlossen – mehr als 30 Jahre später.





