Die Gemeinde Gauting im Landkreis Starnberg beauftragte den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) ein Mobilitätskonzept ergänzend zum Bebauungsplan „Neues Leben an der Würm“ zu entwickeln. Im entstehenden Wohnquartier wird die Würm für alle zugänglich. Zum Projekt betreute der PV zudem einen Architektenwettbewerb. 10 Teams reichten Konzepte zur Gestaltung des zwei Hektar großen Areals ein. Ein Mobilitätskonzept soll nun helfen, den Verkehr im Quartier zukunftsfähig zu gestalten und die Zahl der erforderlichen Pkw-Stellplätze zu verringern. Ziel ist es, den Pkw-Verkehr zu reduzieren, Carsharing anzubieten, die Anzahl an Fahrradstellplätzen zu erhöhen sowie eine Mobilitätsstation einzurichten.
Gute Bedingungen vor Ort
Zu Beginn analysierten die PV-Planerinnen und -Planer die Ausgangssituation im Plangebiet „Neues Leben an der Würm“ und prüften im ersten Schritt das ÖPNV-Angebot: Wie ist das Quartier an die umliegenden Gemeinden und an die Landeshauptstadt angebunden? In welchem Radius befinden sich Bushaltestellen? Das Ergebnis: Das Plangebiet ist sehr gut an Bus und S-Bahn angebunden. Haltestellen liegen in fußläufiger Entfernung und können Autofahrten ersetzen. Ab dem S-Bahnhof Stockdorf erreichen die Bewohnerinnen und Bewohner Tutzing, München und Ebersberg. Buslinien verkehren etwa nach Gauting, Fürstenried West und zum Klinikum Großhadern. Einkaufsmöglichkeiten, Kinderbetreuung und Schulen sind bequem erreichbar, Fuß- und Radwege gut ausgebaut und auch notwendige Fahrradstellplätze verbreitet. Damit bestehen bereits ideale Voraussetzungen, Parkplätze einzusparen.
Weniger Stellplätze durch Mehrfachnutzung
Das Quartier „Neues Leben an der Würm“ wird als gemischtes Quartier geplant, das Wohnen, Arbeiten und Gastronomie vereint. Dadurch wird eine Mehrfachnutzung von Parkplätzen möglich. Während dort wohnende Personen morgens mit ihrem Fahrzeug wegfahren, können vor Ort arbeitende Personen diesen Parkplatz in der Zwischenzeit nutzen. Auch Stellplätze der Gastronomie stehen tagsüber häufig zur Verfügung. Das Mobilitätskonzept sieht eine gemeinsame Tiefgarage im Quartier vor. Das gemeinschaftliche Nutzen ermöglicht es, die Gesamtzahl der Stellplätze deutlich zu reduzieren.
Verbesserungen durch Mobilitätskonzept
Radverkehr gezielt stärken
Die Gemeinde fordert im Vergleich zu anderen Kommunen bereits eine hohe Zahl an Fahrradstellplätzen. Mit dem Mobilitätskonzept geht das neue Quartier an der Würm einen Schritt weiter und sieht zusätzliche Stellplätze für Lastenfahrräder vor. Darüber hinaus sorgt das Konzept für komfortable und sichere Fahrradabstellmöglichkeiten: Abstellanlagen für Fahrräder sollen gut erreichbar sein – ebenerdig im Gebäude oder in Tiefgaragen – und ausreichend Platz zwischen den einzelnen Rädern zulassen. Zudem sollten sie Sicherheit gewähren, sprich, Vorrichtungen zum Anschließen haben oder sich in einem abschließbaren Raum befinden. Ladestationen für E-Bikes und Flächen für Lastenräder sowie Fahrradanhänger ergänzen das Angebot.
In einer Mobilitätsstation können Bewohnerinnen und Bewohner E-Lastenfahrräder und Fahrradanhänger ausleihen.
Sharing-Angebote
Im neuen Quartier gibt es bislang keine Anbieter für Car- oder Fahrradsharing. Damit viele Wege ohne eigenes Auto oder Fahrrad möglich sind, sollen gemäß Mobilitätskonzept beide Sharing-Angebote eingeführt werden. Aufgrund der geringeren Anzahl an Parkplätzen liegt die Nutzung von Sharing-Angeboten nahe, auch für Unternehmen: Ansässige Firmen können die Pkws anstelle eines Dienstwagens leihen. Der PV empfiehlt zunächst mit vier Fahrzeugen zu starten und die Flotte bei Bedarf zu erweitern.
Das Fahrradsharing sollte Pedelecs, E-Lastenräder, Leihanhänger sowie die zugehörige Ladeinfrastruktur umfassen. Sowohl Leih-Pkws als auch Leih-Fahrräder werden in Tiefgaragen stationiert sein.
Umsetzung und Steuerung
Gauting integriert das Mobilitätskonzept für das Plangebiet „Neues Leben an der Würm“ im städtebaulichen Vertrag und verankert es – wo möglich – im Bebauungsplan. Der Bauherr verpflichtet sich, es umzusetzen. Zudem wird es Teil der Baugenehmigung. Nach fünf Jahren überprüft die Gemeinde, ob das Konzept wirkt und ob die Angebote weiterhin verfügbar sind. Bei Bedarf passt sie die Maßnahmen an.
So baut Gauting auf seine Ausgangsbedingungen auf und entwickelt sie gezielt weiter. Die Gemeinde stärkt den umweltfreundlichen und platzsparenden Radverkehr und ergänzt ihn durch Sharing-Optionen. So kommt das Quartier mit weniger Stellplätzen aus und bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern zugleich vielfältige Möglichkeiten, mobil zu sein.
Ein Mobilitätskonzept trägt dazu bei, Stellplätze bedarfsgerecht zu planen, Flächen zu sparen und Kosten, etwa für den Bau einer Tiefgarage, zu reduzieren. Häufig lassen sich Stellplätze mehrfach nutzen oder Fahrradabstellanlagen sinnvoller anordnen. Wir unterstützen Sie gerne und entwickeln gemeinsam mit Ihnen ein Mobilitätskonzept, das zu den Anforderungen Ihrer Kommune passt.







