Workshop: Freiraum, Landschaft, Erholung

7. Oktober 2020, Rathaus Gilching

Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) führte seinen Austausch weiter und hatte zum Workshop „Freiraum, Landschaft, Erholung“ geladen. Dieser fand am 7. Oktober 2020 im modernen und luftigen Saal des Rathauses der Gemeinde Gilching statt. Mit dabei waren Geschäftsführer der regionalen Landschaftsvereine, Vertreter aus den PV-Gemeinden, Mitarbeiter der Landeshauptstadt München sowie Vertreter der Europäischen Metropolregion (EMM) e.V., des Regional-Managements München Südwest e.V. und der Wissenschaft.

Der Bedarf an Freiräumen in der Region München steigt. Gerade in der aktuellen Situation ist er ausgeprägter denn je. Die zwölf Teilnehmer diskutierten intensiv über das Potenzial in der Region, Entwicklungsmöglichkeiten und Probleme. Zudem erarbeiteten sie Lösungsansätze und verschiedene Anregungen wie etwa einen Regionalparkverein und einen Best-Practice-Wettbewerb.

Der PV wird den regelmäßigen Austausch auch im nächsten Jahr fortführen.

Begrüßung & Einführung

PV-Geschäftsführer Christian Breu begrüßte die Teilnehmer und erläuterte die Ziele des Workshops: Zum einen sollten die Teilnehmer Ideen für einen regelmäßigen Austausch sowie für eine angestrebte größere Veranstaltung zum Thema entwickeln. Zum anderen sollten gemeinsame Projekte identifiziert und diskutiert werden.

Der Moderator des Workshops, Prof. Dr.-Ing. Sören Schöbel-Rutschmann, Professor für Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume der TU München, führte in die Thematik ein und erläuterte die Gruppenarbeit. Schöbel-Rutschmann betonte die Bedeutung von Landschaftsräumen für die Identität einer Region – gerade im Speckgürtel Münchens und Teilregionen. Ein ganzheitliches Raumkonzept für die gesamte Region mit Landschaft und Freiraum als Grundstruktur werde künftig immer wichtiger.

Die Gruppenarbeit

Die Teilnehmer bearbeiteten aufgeteilt in zwei Gruppen drei Aufgaben an Kartenabschnitten der (Planungs-)Region München inklusive der Stadt München und der angrenzenden Planungsregionen bzw. Landkreise. Eine Gruppe beschäftigte sich mit dem nördlichen Bereich der Region, die andere Gruppe mit dem südlichen.

Vor jeder Aufgabe gab es zur Veranschaulichung einen kurzen Impulsvortrag. Anschließend präsentierten beide Gruppen ihre Ergebnisse und diskutierten angeregt Hindernisse, Lösungsansätze und aktuelle oder bereits durchgeführte Aktivitäten.

Akteursnetze & Kümmerer

Welche Akteure gibt es? Wie sind diese miteinander verbunden? Als erstes sollten die Teilnehmer verschiedene Akteure, die sich um die Landschaft kümmern und für bestimmte landschaftliche Räume verantwortlich fühlen, identifizieren und diese bzw. deren Projekte durch Linien miteinander vernetzen.

Philipp Königer, Teamleiter Landschaftsplanung im Planungsreferat der Landeshauptstadt München, nannte in seinem Impulsvortrag die Akteure und deren Netze den „Schlüssel für die Landschaftsentwicklung“. Er erläuterte die verschiedenen Ebenen dabei: von der Ebene der Bürgerinnen und Bürgern in Form von Interessensgruppen und Initiativen über die kommunale Ebene in Form von Allianzen und Projekten der Kommunen sowie den Landschaftsvereinen (z. B. Erholungsflächenverein e.V.Heideflächenverein e.V., Isartalverein e.V., Verein Dachauer Moos e.V.) zur Regionsebene wie etwa der EMM oder der Planungsregion. Ein Beispiel für ein gefördertes Landschaftsprojekt ist Los_Dama! Ziel des EU-Projektes ist es, lebenswerte Freiräume zu sichern und zu entwickeln.

Gemeinden, Bürger und ein Regionalpark

Die Bandbreite der Akteure ist breit: Sie reichte von der Bäuerin, die sich um den Garten an einer Kapelle kümmert, über den Schäfereiverband sowie anderen Gruppierungen und Fachbehörden bis zu Freistaat und Bund, der Projekte fördern könnte. Herauskristallisiert haben sich bei der Arbeit zwei Hauptakteure: zum einen die Gemeinden, die als „Klammer“ fungieren, denn Landschaft, Freiraum und Erholung ist sehr stark kommunal geprägt und getragen, zum anderen die Bürgerschaft als Mitglieder in Vereinen und Initiativen.

Es kam die Idee eines Regionalparks ins Spiel, die bei den Teilnehmern viel Anklang fand: Und zwar den Regionalpark durch einen Verein mit einer starken Bürgerschaft und den Kommunen ins Leben rufen und gestalten. Vorbild ist hier der Isartalverein e.V., in dem Kommunen und Bürger gleichermaßen Mitglieder sind.

Von der „Schmuddelecke“ zum Geheimtipp

Wo sind die „vergessenen“ Ecken der Region? Bei dieser Aufgabe galt es, sogenannte „Schmuddelecken“ zu lokalisieren, an denen Potenzial zur Weiterentwicklung besteht, und Ideen zu entwickeln, wie man diese Ecken „aufwerten“ könnte.

Christian Breu erläuterte die Aufgabe anhand eines Beispiels in Oberschleißheim: An der Ecke Kreuzstraße und Ingolstädter Straße wurde durch den Bau einer Tankstelle aus einem ehemals historischen Ort mit traditioneller Gaststätte ein „Unort“ geschaffen. Verkehrsanlagen und Gewerbeflächen bestimmen nun den Raum. Wie könnte eine landschaftsverbindende Funktion aussehen? So könnte man hier ein neues Erholungsgebiet erschließen, indem man den nahe gelegenen Malertshofener See mit einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Bundesstraße erschließt. Ebenfalls könnten hier Gewerbegebiet und die Siedlungsflächen über einen Biergarten angebunden werden.

Haben Potenzial: ehemalige Abbaugebiete

Die Teilnehmer identifizierten zahlreiche Ecken, an denen aus ihrer Sicht, Potenzial besteht. So nannten die Gruppe Süd hier beispielsweise die Theresienwiese in München sowie die Fliegerhorste in Penzing, Fürstenfeldbruck und Oberpfaffenhofen, die man landschaftlich aufwerten könne. Die Gruppe Nord diskutierte Optionen für den Fröttmaninger Berg (Entsorgungspark), die Regattaanlage in Oberschleißheim oder auch das Kanalsystem des Dachau-Schleißheim-Kanals, der heute teils zugeschüttet ist und „reaktiviert“ werden könnte.

Bei der Aufwertung solcher Ecken und der Ausweisung von Erholungsgebieten seien aber die Perspektive von Naturschutz sowie der Anrainer zu bedenken. Denn Erholungsgebiete ziehen neben Leuten auch Verkehr nach sich. So waren sich denn die Teilnehmer einig, dass ein großes Potenzial in ehemaligen Abbaugebieten liegt: Sie böten eine Vielfalt von Nutzungen für den Naturschutz aber auch für die Bevölkerung. Dabei spielt die Erschließung neuer Erholungsgebiete mit Anbindung per ÖPNV oder Rad einen wichtige Rolle.

In Räumen denken (große Landschaftsräume)

Was ist die Landschaft der Region München? Welche Bedeutung haben Landschaften für die Identität? Hier sollten die Teilnehmer die verschiedenen Landschaftsräume, aus denen die Region München besteht, auf der Karte der Region München abbilden.

Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann, TU München, führte dazu aus, wie Landschaft als Basis der Raumentwicklung funktionieren kann. So repräsentieren beispielsweise die bayerischen Planungsregionen Landschaften. Die Region München gliedere sich in viele Teilregionen, die ein großes Ganzes bilden.

Überlagerte Strukturen

Die Teilnehmer stellten fest, dass traditionelle landschaftliche Strukturen in der Region München durch verkehrliche Infrastruktur überlagert sind, wie beispielsweise im Westen die A 96 zwischen München und Landsberg am Lech oder im Osten die B 304 zwischen München Richtung Grafing, Ebersberg. Auch Gewässer wie die „Würmachse“ bilden einen Landschaftsraum und stellen gleichzeitig ein verbindendes Element dar – über Regions- bzw. Landkreisgrenzen hinweg, etwa in Form von FFH-Gebieten. Hier sind dann wieder verschiedene Akteursnetzwerke involviert und gefragt.

Bildergalerie PV-Workshop „Freiraum, Landschaft, Erholung“