Mobilitätskonzepte, Stellplatzbedarf & -satzung

23. November 2018, Rathaus Gemeinde Gilching
 

Eine steigende Zahl von Kfz-Stellplätzen unterzubringen, wird eine immer größere Herausforderung im Wohnungsneubau und bei der Innenentwicklung. Der große Flächenbedarf widerspricht der Entwicklung flächensparender Siedlungsstrukturen, dem Bodenschutz und der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Mögliche Lösungsansätze: die Zahl der Stellplätze reduzieren sowie Abstellanlagen für Fahrräder und Sharing-Fahrzeuge nachweisen.

Welche Optionen haben nun Städte und Gemeinden, die Anzahl der Kfz-Stellplätze und somit auch den Flächenbedarf zu reduzieren? Welche Lösungsansätze und Mobilitätskonzepte stehen den Planern zur Verfügung?

Rückblick und Impressionen der Veranstaltung

Auf unserer Fachtagung „Mobilitätskonzepte, Stellplatzbedarf & -satzung“ im November 2018 im Rathaus Gilching informierten wir über Mobilitätstrends, den aktuellen Stand der Diskussion und rechtliche Grundlagen. Lokale Experten schilderten in Vorträgen ihre Erfahrungen rund um Mobilitätskonzepte, reduzierte Kfz-Stellplatzschlüssel und neue Stellplatzsatzungen in der Region München, der Landeshauptstadt und der Stadt Garching.

120 Kommunalpolitiker, Fachleute aus den Bauämtern unserer Mitgliedskommunen und PV-Mitarbeiter kamen, um sich zu informieren und auszutauschen.

Fazit: Mobilitätskonzepte im städtischen wie auch im ländlichen Raum sind wichtig für die Zukunft, um die wachsenden Anforderungen an Wohnen, Verkehr und Freiraum zu bewältigen. Eine Reduzierung des Stellplatzschlüssels führt nicht zwingend zu Kostenersparnissen im Wohnungsbau, da an anderer Stelle Mehraufwand betrieben werden muss.

Begrüßung

Manfred Walter, Erster Bürgermeister der Gemeinde Gilching, eröffnete die Fachtagung und begrüßte die Teilnehmer im modernen Veranstaltungssaal des neuen Rathauses der Gemeinde Gilching. In seinem Grußwort forderte Walter neue Formen der Mobilität, um zum einen verkehrs- und wohnpolitischen Themen und zum anderen den Ansprüchen der Bürger gerecht zu werden.

Einführung

Moderator Marc Wißmann, Leiter der Ortsplanung im PV, führte die Teilnehmer in das Thema ein und erläuterte, warum es gerade für die Region München so wichtig sei, sich Gedanken zur Gestaltung von Mobilitätskonzepten und zum Umgang mit Stellplätzen zu machen. Denn „Mobilität braucht auch im Ruhezustand viel Fläche“ und der Flächenbedarf dafür stünde in Konkurrenz zu hohen Ansprüche der Bürger gerade auch zu Freiraum und Grün sowie zur Nachfrage nach schnellem und kostengünstigem neuen Wohnraum bei hohen Grundstückspreisen. Wißmann sprach von einer Quadratur des Kreises, die Kommune und Planer hier bewältigen müssten.

Aktuelle Mobilitätstrends, Stellplatzbedarf und Mobilitätskonzepte

Vortrag Prof. Dr.-Ing. Carsten Gertz


Prof. Dr.-Ing. Carsten Gertz, Leiter des Instituts für Verkehrsplanung und Logistik an der  Technischen Universität Hamburg (TUHH), präsentierte einen umfassenden und kompakten Überblick: Mobilitätstrends mit aktuellen Zahlen und dem aktuellen Stand der Diskussion sowieeinen möglichen Stellplatzbedarf und -schlüssel. Zudem stellte Prof. Gertz Beispiele für unterschiedliche Mobilitätskonzepte und deren Herangehensweise vor.
 

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Stellplätze im Bauplanungs- und Bauordnungsrecht

Vortrag Michael Beisse


In seinem Vortrag ging Michael Beisse, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht bei  Döring Spieß Rechtsanwälte in München, sehr ausführlich auf die rechtlichen Grundlagen in Bayern ein. Er schilderte, wie Stellplätze im Bauplanungs- und Bauordnungsrecht behandelt werden, welche Grenzen und Möglichkeiten Kommunen haben und wie sie ihre Stellplatzsatzungen selbst gestalten können.
 

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Reduzierung des Kfz-Stellplatzschlüssels durch Mobilitätskonzepte

Vortrag Dr. Stefan Klug


Dr. Stefan Klug, Dipl.-Ing. Raumplanung, Abteilung Verkehrsplanung beim Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München erläuterte in seinem Vortrag die Ziele der LH München sowie die Rechtsgrundlagen und berichtete von ersten Erfahrungen. Er schilderte den Ablauf des Verfahrens und ging auf die Voraussetzungen und Anforderungen ein, die notwendig sind, damit Bauherren den Stellplatzschlüssel reduzieren können.
 

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Werkstattbericht: Neue Stellplatzsatzung der Stadt Garching

Vortrag Annette Knott


Annette Knott, stellvertretende Geschäftsbereichsleiterin Bauen und Umwelt, Fachbereichsleiterin Bauverwaltung der Stadt Garching, stellte die neue Stellplatzsatzung vor. Voraussetzungen, die die Universitätsstadt dafür mitbringt bzw. aktuell anvisiert, sind: Zertifizierung als fahrradfreundliche Kommune, 17 MVG-Mietradstationen im Stadtgebiet, geplante Mobilitätsstationen an den U-Bahnhöfen Garching und Hochbrück sowie ab 2019 einen 5-Minuten-Takt der U-Bahnen zur Hauptverkehrszeit. Die Anzahl der Pkws berechne sich laut Knott nach der Wohnfläche, bei den Fahrrädern gehe die Stadt von einem Fahrrad pro Einwohner aus.

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Mobilitätskonzepte in der Region München

Vortrag Christian Bitter


Christian Bitter, Projektleiter bei der stattbau münchen GmbH, stellte anhand von verschiedenen Beispielen anschaulich dar, was ein Mobilitätskonzept alles abdecken und leisten muss. Im Fokus stünden die Reduzierung der Privat-Pkws, kurze Wege im Quartier, öffentlicher Nahverkehr als Rückgrat, effizientere Nutzung von Parkraum, Vorfahrt für Fußgänger und Zweirad, Sharing-Angebote sowie persönlicher Gewinn statt Verzicht, um nur einige Punkte zu nennen.
 

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