Verkehrskonzept

Raum München Nord


Seit Februar 2015

Die Landkreise Dachau, Freising und München sowie 31 Landkreiskommunen und die Landeshauptstadt München mit fünf Stadtbezirken sind auf einer Verkehrskonferenz im Oktober 2015 in Dachau übereingekommmen, gemeinsam Lösungsmöglichkeiten für ihre Herausforderungen in Fragen der Siedlungsentwicklung, Mobilität und Freiraum zu erarbeiten. Sie haben hierzu die „Dachauer Erklärung“ abgegeben.

Im April 2017 haben sie sich formal zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Zielkonzept für die Verkehrs-, Siedlungs- und Landschaftsentwicklung für den Raum München Nord im Jahre 2030 zu erarbeiten.

Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) beriet die Beteiligten fachlich und konzeptionell. Im zweiten Halbjahr 2017 führte er ein VgV-Verfahren zur Vergabe der Planungsleistungen durch.

Im Zuge einer öffentlichen Abschlussveranstaltung am 16. Oktober 2019 präsentierten die Kommunalvertreter im Bürgerhaus Unterföhring die Ergebnisse des Prozesses und unterzeichneten eine gemeinsame Abschlusserklärung. Ende 2019 wurde derAbschlussbericht des Konzepts fertiggestellt.

Auch künftig möchten die Beteiligten das gemeinsame interkommunale Handeln der Landkreise Freising, München, Dachau mit der Landeshauptstadt München fortführen. Dafür hat der Planungsverband München eine Arbeitsstruktur erarbeitet.

Forderungen an Bund & Freistaat

Gemeinsam mit einem Gutachterteam erarbeiteten die Beteiligten das Verkehrskonzept Raum München Nord. Das Konzept verdeutlicht, dass die derzeitigen Planungen zum Infrastrukturausbau nicht ausreichen werden, um spürbare Verbesserungen im Verkehrssystem im Norden Münchens sowie seinen Nachbarkommunen zu erzielen. Daher fordern die (Ober-)Bürgermeister und Landräte deutliche Verbesserungen im Angebot des schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs (SPNV) in der Region. Die Kapazitäten sollen ausgebaut und die Zuverlässigkeit im SPNV gesteigert werden, um gerade das tägliche Pendeln per Bus und Bahn attraktiver zu gestalten. Ebenso werden in der Abschlusserklärung Grundlagen zur schnelleren Realisierung von Radschnellwegen gefordert.

Gemeinsame Verkehrsprojekte für den Münchner Norden

Gleichzeitig sichern die Kommunalvertreter dem Bund und Freistaat zu, eigene Projekte in interkommunaler Zusammenarbeit anzustoßen und umzusetzen. Dazu gehören verschiedene Projekte, wie etwa

  • ein regionales Parkraummanagement über die Stadtgrenzen München hinaus,
  • ein intermodaler Verkehrshub an der S-Bahn Endhaltestelle Petershausen
  • sowie eine Verlängerung des geplanten Radschnellwegs im Münchner Norden bis in die Stadt Freising.

Auf den Autobahnen A8 und A9 sollen Schnellbusverbindungen eingerichtet werden. Auch sollen Möglichkeiten geprüft werden, um Vorrangspuren für Schnellbusse und autobahnnahe Haltestellen zu errichten.

Auf dem Weg zum Konzept

Im Rahmen des Projektes wurden bestehende Planungen für die Bereiche Freiraum, Mobilität und Siedlung umfassend analysiert und unterschiedliche Szenarien entwickelt. Nach einer Bestandsanalyse präsentierte ein interdisziplinäres Gutachterteam unter der Leitung von PTV den Landräten, Bürgermeistern und Mitgliedern der Münchner Bezirksausschüsse vier verschiedene Szenarien und deren Wirkung anlässlich eines Workshops im Juni 2019. Das Gutachterteam bestand aus Verkehrs- und Stadtplanern, Architekten, Landschaftsarchitekten sowie Moderatoren. Die Szenarien unterscheiden sich hinsichtlich der Wahl der Verkehrsmittel (Modal-Split).

Die Teilnehmer des Workshops diskutierten intensiv die verschiedenen Szenarien und deren jeweiligen Maßnahmen. Sie entschieden sich für das Szenario mit dem höchsten Anteil an öffentlichem Verkehr (28 Prozent) und Radverkehr (20 Prozent). Der motorisierte Individualverkehr beträgt dabei immer noch 52 Prozent. Auf Basis des Vorzugszenarios entstand im September 2019 das integrierte Entwicklungskonzept mit konkreten Zukunftsmaßnahmen und Projekten, das die Kommunalvertreter im Oktober vorstellten.

VgV-Verfahren zur Vergabe der Planungsleistungen

Die beteiligten Kommunen entschlossen sich, als erstes Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit ein „Verkehrskonzept Raum München Nord“ an ein  interdisziplinäres Team von Planungsdienstleistern (Bietergemeinschaften) zu vergeben. Da die veranschlagten Kosten über dem für die Vergabe von öffentlichen Aufträgen nach § 106 GWB geltenden Schwellenwert lagen, musste ein nicht offenes Verfahren nach § 16 VgV durchgeführt werden. Die Kommunen beauftragten den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum (PV), dieses Verfahren durchzuführen sowie organisatorisch und fachlich zu begleiten.

Die Ausschreibung fand auf Basis einer vom PV erstellten Projektskizze statt. Ziel des Prozesses sollte sein,

  • auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme, in die auch bereits vorliegende Untersuchungen, Konzepte, Planungen und Entwicklungsvorsellungen Eingang finden, ein gemeinsames Raumverständnis zu erzeugen,
  • sich auf gemeinsame übergeordnete Planungsziele zu verständigen, ggf. Dissense zu benennen,
  • verschiedene Zukunftsszenarien zu entwerfen, deren Wirkung qualitativ zu ermitteln und sich über ein Vorzugszsenario zu verständigen, sowie
  • daraus abgeleitet ein integriertes Gesamtkonzept mit konkreten Maßnahmen und Projekten zu entwickeln, das auch Vorschläge zur Form der weiteren Zusammenarbeit und Umsetzung der vereinbarten Projekte enthält.

Der Betrachtungsmaßstab war zwischen Regionalplan und Flächennutzungsplan angesiedelt. Die Leistungen sollte ein interdisziplinäres Team aus Verkehrsplanern, Stadtplanern, Architekten, Landschaftsarchitekten und Moderatoren innerhalb von etwa 18 Monaten erbringen.

Die Vergabeentscheidung fiel auf die Bietergemeinschaft unter der Leitung der PTV Transport Consult GmbH.

Ausgangssituation & Finanzierung

Ausschlaggebend für den Zusammenschluss der Kommunen waren das starke Arbeitsplatz- und Bevölkerungswachstum, die rasante Zunahme des Verkehrs sowie die Notwendigkeit, diese Herausforderungen im Raum München Nord gemeinsam anzugehen. Vorangegangen waren bereits zwei Verkehrskonferenzen in Dachau und in Karlsfeld, in denen die beteiligten Kommunen Ziele und Inhalte der gemeinsamen Arbeit abgesteckt haben.

Die Landeshauptstadt München, die drei beteiligten Landkreise und das bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr finanzieren die Erstellung des Konzeptes sowie die Durchführung des Prozesses. Die Konsortialführung liegt beim
Landkreis Dachau.

Projektraum